Denkmal des Monats - April 2018

Südwestfalen
Stollenportal des Reinhold-Forster-Erbstollens (Siegen)

Der Reinhold-Forster-Erbstollen wurde am 21. März 1805 angeschlagen. Er ist Teil und Eingang des großen Stollennetzwerkes der Grube Eisenzecher Zug.

Der Stollen ist nach dem Naturforscher und Geologen Johann Reinhold Forster (1729 – 1798), einem der namhaftesten Naturforscher des 18. Jahrhunderts, benannt.

Zunächst wurde der Stollen nur mit der Absicht angesetzt, die sogenannte Tretenbacher Gänge der Gewerkschaft „Reinhold Forster“ von der Talsohle aus zu lösen, entwickelte sich der Reinhold Forster Erbstollen später zum Grundstollen der Grube Eisenzecher Zug, einer der größten und tiefsten Eisenerzgruben im ehemaligen Siegerländer Erzrevier und zeitweise in Europa.

Vom Eingang des Erbstollens bis zum Kaiser-Schacht zählt der Stollen mit einer Länge von 3.400 Metern (einschließlich Seitengängen) zu den längsten in Nordrhein-Westfalen. Bis 1902 wurde der Stollen in Betrieb gehalten, von da an diente er nur noch der Ein- und Ausfahrt von Bergleuten und dem Materialtransport zur Grube Eisenzecher Zug. Während des Zweiten Weltkriegs war er Zufluchtsort für die Bürger von Eiserfeld. Nach der endgültigen Einstellung des Grubenbetriebes im Jahre 1960 diente der Stollen bis 1977 als Sprengstofflager.

Von 1983 bis 2016 haben Mitglieder des Eiserfelder Heimatvereins das Besucherbergwerk Reinhold Forster Erbstolln aufgewältigt und betrieben. Seit Juli 2016 ist die Gesellschaft mit dem historischen Namen „Gewerkschaft Eisenzecher Zug gUG“ für den Betrieb und den weiteren Ausbau des Bergwerkes verantwortlich.

Der Stollen ist auf einer Länge von 470 Metern für Besucher als Schaubergwerk begehbar und bietet interessante Einblicke in die harte und gefahrvolle Arbeit der früheren Siegerländer Bergleute.

Das Stollenportal wurde 1879 im Stil des Historismus unter Verwendung neobarocker und neorenaissancehafter Formen errichtet. Es ist als monumentale Eingangsarchitektur vor den Berghang gesetzt. Zwei sich nach oben verjüngende, gequaderte Pfeilervorlagen tragen einen dreifach gestafelten Architrav. Darüber befindet sich ein zurückliegender Fries mit der Inschrift „Reinhold Forster Erbstolln“. Ein segmentbogiger Giebel mit stilisierten Tropfen (guttae) auf der Unterseite und einem stilisierten

Akroterion (Plural Akroteria, Akroterien, Akrotere oder Akroteren, griechisch TO KpwTnpiov, akrotérion oberste Ecke, Spitze) als Giebelbekrönung, bildet den Abschluss des Bauwerks.

Im Giebelfeld befinden sich eine Wappentafel mit dem Bergbausymbol „Schlägel und Eisen“ und rechts und links davon die gerahmte Inschrift „Glück auf!“. Das eigentliche Mundloch wird durch eine einfache, eiförmige Eisentür mit Bergbauemblem verschlossen. Der darüber befindliche Schlussstein ist bezeichnet „1805“. Rechts und links davon befinden sich in den Zwickeln oberhalb der Türöffnung zwei mit Bändern geschmückte Kränze.

Das Eingangsbauwerk des Reinhold-Forster-Erbstollens ist bedeutend für die Stadt Siegen und darüber hinaus für das Siegerland, weil es in Verbindung mit dem Stollen die Entwicklung des Siegerländer Eisensteinbergbaues überaus anschaulich dokumentiert. Der Vortrieb des Reinhold-Forster-Erbstollens zu Beginn des 19. Jahrhunderts war von überragender Bedeutung für die Entwicklung des Bergbaus auf dem Eisenzecher Gangzug und brachte allen hier bauenden Gruben die dringend erforderliche Wasserlösung bis zur Sohle der Sieg. Der Gangzug erstreckt sich in nordnordöstlicher Richtung von Dermbach in einer Länge von etwa 2.400 Metern bis nach Eiserfeld. Hier bauten u. a. die Gruben SchIänger und Eichert, Scheuer, Grauebach, Kirschenbaum und Eisenzeche einschließlich des Feldes Bergmannslust.

Das Eingangsbauwerk des Reinhold-Forster-Erbstollens gehört ferner zu den aufwendigsten und prächtigsten Kleinarchitekturen des deutschen Bergbaus. Es steht gleichbedeutend neben Oberharzer Beispielen wie den Portalen des Tiefen-Georg- oder des Ernst-August-Stollens oder denjenigen im Saarland wie den Portalen des Grühlingund des Heinitz-Stollens.