Denkmal des Monats - Mai 2018

Südwestfalen
Grundschule Oberkirchen (Schmallenberg)

Nach dem 2. Weltkrieg bot die alte Schule in der Nähe der Oberkirchener Pfarrkirche ein trauriges Bild: abgeblätterter Außenputz; herausgerissene Türfüllungen; abgewetzte, ächzende Treppen; ein undichtes Dach, das Regenfälle bis ins Erdgeschoss weiterleitete; dunkle Räume; undichte Öfen; wackelnde und knarrende Bänke. Jeder Schüler durfte rund einen halben Quadratmeter Schulhoffläche nutzen! Bei der Wiedereröffnung im September 1945 gab es keine Tinte, keine Kreide, die Wandtafeln waren beschädigt oder unbrauchbar. Für die Kinder standen weder Tafeln, Hefte noch Schreibgeräte zur Verfügung. 178 Schüler wurden von drei Lehrkräften unterrichtet; aus der Vorkriegszeit war nur Maria Dicke (seit 1937 in Oberkirchen) geblieben. Durch die Einführung des 9. Schuljahres zum Schuljahr 1949/50 stieg die Schülerzahl auf den Höchststand von 245 an. 20 dieser Kinder waren Evakuierte und 56 Ostvertriebene. Nun wurden sechs Klassen gebildet, die von vier Lehrkräften geführt wurden. Allerdings standen lediglich zwei Klassenräume zur Verfügung, die nach einem kreisärztlichen Gutachten „keineswegs mehr den hygienischen Anforderungen“ genügten.

Am 21.01.1949 beantragte daher Wilhelm Mraß, dem kurz zuvor die Schulleitung übertragen worden war, einen Schulneubau. Bereits zwei Wochen später beschloss die Gemeindevertretung Oberkirchen, 10.000 DM kommunale Mittel für den Bau zur Verfügung zu stellen, weitere 20.000 DM sollten im nächsten Rechnungsjahr hinzukommen. Ein Drittel wollte die Regierung in Arnsberg bereitstellen, falls sich die Elternschaft in Eigenleistung an dem Projekt beteiligte. Auf etwa 160.000 DM wurden die Baukosten für eine vierklassige Schule geschätzt. Mit Weitblick forderte Lehrer Mraß eine Verlegung des Standortes: „Der Neubau ist direkt an der Hauptstraße vorgesehen. Die neue Schule soll doch auch hundert Jahre und länger ihren Dienst erfüllen. Der heutige Verkehr ist trotz der Einschränkung der Nachkriegszeit auf dieser Hauptstrecke sehr umfangreich. Er wird sich in den nächsten Jahren vervielfachen. Dann liegt die Schule wieder in einem Lärmzentrum.“

Die Einwände des Schulleiters fanden Gehör: Im Februar 1950 erwarb die Gemeinde Oberkirchen das heutige Grundstück an der Lüttmecke für 1,50 DM/m². Den Bauauftrag erhielt das Westfelder Unternehmen Wilhelm Hoffmann. In einer Versammlung, die sich mit dem Neubau befasste, erklärten sich alle Anwesenden bereit, wenigstens drei Tage durch persönliche Arbeitsleistungen mitzuhelfen. Fast alle Waldbesitzer stifteten nennenswerte Bauholzmengen. Am 15. April wurden die Schachtarbeiten begonnen - mit Schippe und Pferdekarren - und am 27. Juni erfolgte die feierliche Grundsteinlegung. Bürgermeister Heinrich Himmelreich aus Westfeld, Amtsbürgermeister Josef Schneider und Amtsdirektor Klaus Siebenkotten unterzeichneten die Urkunde, aus der hervorgeht, dass die vierklassige Schule für 230 Kinder ausgelegt war. Als am 29. August 1950 Richtfest gefeiert wurde, entstand unweit der Schule bereits das Nebengebäude, das später einen zum Turnen, Werken und Feiern genutzten Raum sowie den Feuerwehrgeräteschuppen beherbergen sollte. Der Schulneubau, so die Westfalenpost, ist eine „Schule modernster Art; an jedes Schulzimmer schließt sich ein Gruppenraum an. Ferner sind Werkräume und Badeeinrichtung vorhanden.“

Ein Jahr später - der Bau näherte sich seiner Vollendung - wurde die Namensgebung aktuell: „Katholische Volksschule ‘St. Michael’ Oberkirchen“ lautete der Vorschlag von Hauptlehrer Mraß und er begründete: „St. Michael ist der 2. Namenspatron der hiesigen Kirchengemeinde.“ Mraß wurde dabei intensiv von Pfarrer Schröer unterstützt.

Am 11. Dezember 1951 war es dann so weit: „Heute hat Oberkirchen seinen Festtag“, titelte die Westfalenpost. „Laßt herein die wissensdurst’gen Scharen“ und „Lernen soll zur Freude werden“ verdeutlichen als weitere Schlagzeilen die frohe Erwartungshaltung. Bis auf den Außenputz waren nun alle Arbeiten abgeschlossen. Die Einweihungsfeier fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung im ersten Schnee dieses Winters statt. 192 Schüler, verteilt auf vier Klassen, bezogen ihr neues Lerndomizil. Die Kinder wussten die Vorzüge der neuen Schule zu schätzen: „Hier kommt doch mehr Licht ‘rein!“ - „Wir haben einen Gruppenraum und können alle gleichzeitig unterrichtet werden!“ - „Die Umgebung ist viel abwechslungsreicher!“, berichteten sie im Februar 1952 dem Zeitungsredakteur. Besondere Beachtung fanden die beweglichen Tische mit den neuartigen Drehstühlen. Im folgenden Sommer wurde das Mauerrondell errichtet, die Zufahrt asphaltiert und die Schule erhielt einen Außenputz. Von 1953 bis 1955 folgten die Anlage des Schulplatzes, der planiert und mit rotem Splitt bedeckt wurde; der Feierraum im Nebengebäude wurde mit Bühnenvorhang und Gestühl ausgestattet; auch die Außenanlagen fanden Beachtung: Hinter der Schule grünte nun eine Wiese für das Bodenturnen und das Schulgelände wurde bepflanzt.

Quellennachweis:

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Schulverwaltung Oberkirchen