Denkmal des Monats - Februar 2018

Ostwestfalen Lippe
Historisches Rathaus, Am Markt 26 (Bad Salzuflen)

Das Rathaus ist ein herausragendes Monument der wirtschaftlichen Blütezeit Salzuflens im 16. Jahrhundert. Es liegt am Markt im historischen Stadtkern und in unmittelbarer Nähe zum Salzhof. Mit dem Bau wurde 1545 in der Amtszeit von Bürgermeister Jobst Gießenbier begonnen. Eine dendrochronologische Untersuchung (Datierungsmethode, bei der die Jahresringe von Bäumen einer Wachstumszeit zugeordnet werden) bestätigte, dass die zum Rathausbau verwendeten Bäume im Winter 1546/47 gefällt wurden.

Das Gebäude ist ein verputzter Bruchsteinbau mit einer Länge von etwa 29 Metern und einer Breite von etwa 12 Metern. Während der rückwärtige Stufengiebel, einzelne Kreuzstockfenster und das spitzbogige Hauptportal noch spätgotische Züge aufweisen, ist der vordere Giebel, der um 1585/92 erschaffen wurde, wesentlich moderner: Es handelt sich um einen der ersten Beschlagwerkgiebel in Lippe.

Die Giebelkontur ist durch Voluten (spiral- oder schneckenförmige Schmuckelemente) und Beschlagwerkformen (ornamentale und verzierende Dekorationsbänder) gestaltet. Durch die im Beschlagwerk dargestellten Nagelköpfe und Nagellöcher soll der Eindruck erweckt werden, dass die Stege und Bänder angenagelt sind. Die Gliederung des Giebels erfolgt durch die vier Abtreppungen bis zur Spitze. Maßgebend für die Giebelgestaltung sind neben den gegenläufigen Volutenbändern die steinernen Kugeln. Den Abschluss der Giebelspitze bildet eine steinerne Lilie.

Im 19. Jahrhundert erfolgten einige Veränderungen am Gebäude. Um 1850 wurde ein steinerner Erker an der Längsseite zur Marktstraße hin mit Renaissance-Ornamentik beseitigt. Häufig wird in der Literatur von einem weiteren abgebrochenen Erker gesprochen, dieses konnte jedoch nicht durch bauliche Befunde bestätigt werden.

1859/60 wurde der ursprüngliche Treppenvorbau vor dem Hauptgiebel durch eine neugotische Treppenanlage ersetzt, die nach den Entwürfen von Karl Overbeck aus Lemgo entstanden ist.

Des Weiteren wurden nach 1910 drei Wappensteine am vorderen Giebel eingefügt. Zwei Wappen befinden sich neben dem spitzbogigen Hauptportal. Auf der linken Seite der Sternberger Stern und auf der rechten Seite die lippische Rose, das Wappen der Edelherren zur Lippe. Das Wappen der Stadt Bad Salzuflen ist mittig in der zweiten Etage des Giebeldreiecks angeordnet.

Das Erdgeschoss wurde schon immer als Gastwirtschaft genutzt. Bis ca. 1814 gab es dort drei hinter- einander liegende Gaststuben, „der Herren Keller“ genannt. Drei Kellerwirte führten unterschiedliche Sorten Bier und zahlten unterschiedliche Heuer.

Im ersten Obergeschoss, dem Hauptgeschoss, hatte an der rechten Seite der Stadtrichter seine Amtsräume; hintereinander lagen Gerichtszimmer, Parteienstube und Aktenkammer. Geradeaus gelangte man vom Flur in den großen Rathaussaal, der für die Sitzungen des Rates und alle sonstigen öffentlichen Veranstaltungen, auch für die feierlichen Empfänge der Landeshoheit und für üppige Festessen, bestimmt war. Hier wurden ebenfalls die Fahnen der Schützengilde aufbewahrt. Des Weiteren wurde der Rathaussaal von Handwerkergilden, für Hochzeitsfeierlichkeiten und für die Zusammenkünfte der Salzgewerke unter Leitung des Bürgermeisters genutzt.

Von der Raumausstattung des ehemaligen Ratssaals sind noch einige Elemente vorhanden. Dazu gehören beispielsweise das Handwaschbecken an der linken Wand und die Ofennische an der rückwärtigen Giebelwand mit den kleineren Licht- oder Ablagenischen sowie den größeren Wandschranknischen. 1920 befand sich eine Neorenaissance-Vertäfelung an den Wänden.

Im obersten Geschoss des Rathauses waren „Leggemeister“ tätig, um alles in der Stadt gesponnene und gewebte Leinen zu prüfen, zu messen und zu stempeln. In dem Dachboden wurde das „Zehntkorn“ gelagert, der sogenannte „rauhe Zehnte aus der Ufelschen Feldmark. Zum Auf- und Abwinden der Kornsäcke befand sich an der Traufseite zur Salze hin ein Erker auf dem Dach.

Nach der Errichtung des „neuen“ Rathauses an der Grenze zwischen Bad Salzuflen und dem Ortsteil Schötmar und der feierlichen Einweihung 1977 wurde das historische Rathaus, oftmals als das „alte“ Rathaus bezeichnet, zunächst stillgelegt und liebevoll von innen und außen restauriert. Seit 1982 dient das Gebäude als Standesamt der Stadt und das Erdgeschoss wird als Restaurant genutzt.

Architekturgeschichtlich ist das historische Rathaus ein herausragendes Monument bürgerlichen Wohlstandes des 16./17. Jahrhunderts. Städtebaulich ist es sowohl als Einzelbauwerk als auch im Ensemble mit den Steingiebelbauten der Nachbargrundstücke von größter Bedeutung. Darüber hinaus ist der Bau ein hervorragendes Beispiel für die Baukunst der Weserrenaissance. Bauten dieser Qualität sind nicht nur für Lippe eine Besonderheit.

Ein Blick in die Geschichte

Die Stadt Bad Salzuflen ist im Unterschied zu anderen Städten nicht um das Rathaus oder die Kirche, sondern um die Saline mit der hier vorhandenen Salzquelle gewachsen. Im Mittelalter besaßen Kirche und Adel, aber auch Salzufler Bürger Anteile an diesem Salzwerk. Im 16. Jahrhundert befad sich die Saline dann in den Händen einer Salzsiedergenossenschaft.

Im 18. Jahrhundert erwarb der lippische Landesherr die Saline, der die veraltete Anlage modernisieren und neue Gradierwerke zur Konzentration der Sole vor den Toren der Altstadt errichten ließ. Nach dem Niedergang der Salzproduktion (Schließung der Salzgewinnung im März 1945) werden diese Gradierwerke nur noch zu heilmedizinischen Zwecken eingesetzt.

Der Kupferstich zeigt Alt-Salzuflen aus nördlicher Richtung mit der ab 1450 erbauten, fast kreisrunden Stadtmauer mit vier Stadttoren und drei Mauertürmen. Die Stadttore sind im 19. Jahrhundert abgebrochen worden, von den Mauertürmen ist der sogenannte Katzenturm erhalten geblieben. Ebenso sind noch ca. 400 Meter von dem ursprünglichen Mauerring in Teilen überliefert. Im Zentrum der Stadt befand sich die Saline, über der eine große Dampfwolke aufstieg. Auch diese alten Produktionsstätten auf dem Salzhof sind heute nicht mehr vorhanden. Nur das 1934 über der Paulinenquelle errichtete Brunnendenkmal mit Reliefdarstellungen zur Salzgewinnung erinnert noch an diese bedeutende Epoche.

Der Stadtkern von Alt-Salzuflen mit seinen malerischen Straßen und Plätzen in topografisch reizvoller Lage bildet heute den Mittelpunkt der Großgemeinde Bad Salzuflen mit ca. 56.000 Einwohnern. Bauliche Kennzeichen der Stadt, die 1488 Stadtrechte verliehen bekam, sind die Steingiebel- und Fachwerkbauten der Renaissancezeit. Diese geben dem Stadtbild einen unverwechselbaren Charakter und machen die Altstadt Salzuflens zu einem bedeutenden historischen Stadtkern. Nordöstlich der Altstadt grenzt unmittelbar das historische Kurgebiet an. Dieses Stadterweiterungsgebiet der Gründerzeit ist geprägt von eindrucksvollen Logierhäusern und Kurortvillen in der Stilauffassung des Historismus.