Denkmal des Monats - Mrz 2018

Ostwestfalen Lippe
Adolfstraße (Detmold)

Die Adolfstraße bildet zwischen Exter- und Schülerstraße als Quergasse mit den Häusern 1 – 15 eine zusammenhängende Zeile von 8 Kleinhäusern. Benannt ist sie nach Adolf Schuhmacher, einem Buchbinder, der 1851 in diese Straße gezogen ist.

Aus Mangel an Baugelände wurde Mitte des 17ten Jahrhunderts die Innenseite der Stadtmauer mit bescheidenen Kleinbürgerhäusern, sogenannten Mauerhäusern, „besetzt“. Der stadteigene Baugrund war bauwilligen Bürgern verkauft und überlassen worden, die „alda ein jeder für sich ein eigenes Haus bawen solten“. (Vgl. Geschichte der Stadt Detmold, Detmold 1953, S.186)

Von dem ehemaligen Mauerzug, der von der Meierstraße bis zum Hornschen Tor reichte, sind nur noch diese malerischen Gademen (1-Raum-Haus) der Adolfstraße erhalten. Die Bauherren dieser einfachen, kleinen Fachwerkhäuser gehörten offensichtlich sozial schwächeren Schichten an.

Der besondere stadtgeschichtliche und volkskundlich-hauskundliche Wert der Häuserzeile war schon früh unumstritten. Die Besonderheit der Hauskonstruktion ist eine Kombination aus bäuerlicher und urbaner Verzimmerungstechnik. Die oberen Geschosse sind stöckig abgezimmert, d.h. nach außen ist die innere Konstruktion der Deckenhöhen sichtbar (urbane Verzimmerungstechnik), im unteren Geschoss dagegen sind die Raumdecken nach außen nicht sichtbar (bäuerlicher Verzimmerungstechnik). Aus Platzmangel ist das Obergeschoss breiter als das Untergeschoss konstruiert. Sogenannte Knaggen stützen diese Vorkragung des oberen Geschosses ab, was allerdings nicht mehr an jedem Haus zu sehen ist. Eine zweite, niedriger gelegene Eingangstür in einigen Häusern weist auf zusätzlich eingerichtete Ziegenställe hin, die zur Versorgung der Eigentümer dienten.

Die Häuser 1 bis 9 sind bis heute in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten, wohingegen die Häuser Nr.11, Nr.13 und Nr. 15 unter Wiederverwendung noch brauchbarer Teile neu hergestellt wurden.

1956 wurden bei dem Haus Nr. 13 bereits Instandsetzungsarbeiten mit Beteiligung des Landeskonservators durchgeführt und mit einer Beihilfe gefördert. 1966/67 wurde wegen des schlechten Erhaltungszustands erwogen, die Häuser 11 und 13 (beide Eigentum der Stadt Detmold) abzubrechen. Wegen des öffentlichen Erhaltungsinteresses an der letzten einheitlichen Stadtmauerhinterbebauung dieses Ausmaßes in Lippe, wurde neben dem Landeskonservator auch der Regierungspräsident eingeschaltet. Die Diskussion der verschiedenen Sanierungsmöglichkeiten (Restaurierung, Teilerneuerung unter Berücksichtigung der Nutzungsmöglichkeiten) einigte man sich zunächst auf eine Instandsetzung, wobei von der Originalsubstanz, insbesondere der Fachwerkhölzer, und der Bausubstanz der alten Stadtmauer so viel wie möglich erhalten bleiben sollte. Da ein großer Teil der Fachwerkkonstruktion stark verwittert war, blieb nur die Möglichkeit, die Gebäude 11,13 und 15 vollständig abzubauen und anschließend wieder herzustellen.

Mit der Zielsetzung, Potentiale für das Wohnen in der historischen Altstadt aufzuzeigen, sind im Rahmen des ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept der Stadt Detmold) Entwürfe für eine moderne Nutzung z.B. für die Adolfstraße 1 entstanden.

Ein Blick in die Stadtgeschichte

In dem aus der alten sächsischen Siedlung Thiotmalle (Thingstätte) entstandenen Ort legten die Edlen Grafen und Herren zur Lippe, die einst weitab am Unterlauf des Flusses Lippe beheimatet waren, eine Burg an. Graf Bernhard III. gründete vor 1265 den Ort neu als Stadt und gab ihr Lippstädter Stadtrecht.

Erst nach 1550 machte Graf Simon III. die Stadt zu einer festen Residenz. Bis 1918 blieb Detmold Sitz der Grafen (seit 1789 Fürsten) zur Lippe. Dann wurde es Landeshauptstadt des Freistaates Lippe und, nach dem Anschluss Lippes an das Bundesland Nordrhein-Westfalen, Standort der Bezirksregierung Detmold sowie Sitz des Kreises Detmold, später des Kreises Lippe.

Seit dem Mittelalter war die kleine Residenz geprägt von der herrschaftlichen Burg und der ersten Pfarrkirche (heutige Marktkirche). Mauern, Wälle und Gräben schützten burg und Stadt. Die Einwohner waren bis in das 19. Jahrhundert meist Ackerbürger mit Handwerkerberuf und Viehhaltung.

Eine erste planmäßige Erweiterung über die Stadtmauer hinaus erfolgte ab 1700 durch Graf Friedrich Adolf. Im Süden der Stadt entstanden entlang des neue angelegten Friedrichstaler Kanals die barocke Reihenhauszeile der Neustadt, das Palais (heute Sitz der Hochschule für Musik) mit dem Palaisgarten und das nie vollendete Lustschloss Friedrichstal. Das nach einem Brand im Jahr 1729 davon übrig gebliebene Krumme Haus und Reste der barocken Gartenanlage sind noch auf dem Gelände des LWL-Freilichtmuseums zu sehen.

Träger der klassizistischen Bauphase (1830 – 1860) waren im Wesentlichen die Beamtenschaft und wohlhabende Kaufleute. Die Schlichtheit und die wohlproportionierten Fassaden dieser Bauten stehen im Kontrast zu den älteren Fachwerkhäusern. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der Gründerzeit wurden zahlreiche alte Häuser durch Neubauten ersetzt. Das historische Stadtbild erhielt durch Schaufassaden im Stile der Neurenaissance und des Barock, gelegentlich auch des Jugendstils, neue Akzente.