Denkmal des Monats - August 2018

Ostwestfalen Lippe
Ev.-ref. Pfarrkirche mit Kirchhügel (Horn-Bad Meinberg)

Die Anfänge des Dorfes Meinberg liegen in einem Hof sächsischer Edelinge. Nach der Christianisierung des Landes wird dieser sicher schon seit langem bestehende Hof um das Jahr 978 von einem Edlen namens Ova und seinem Bruder Bernhard dem Kloster Corvey geschenkt.

Der Meierhof im Besitz des Klosters Corvey hat dann unstrittig zur Folge, dass hier schon bald eine Kirche entsteht. Die alte Meinberger Dorfkirche befindet sich auf einer Anhöhe oberhalb des ehemaligen Hofs Meier.

Sie ist eine der noch frühesten erhaltenen Kirchenbauten der Region. Die Kirche wurde bereits in einer vollentwickelten Gewölbetechnik errichtet, während die älteren, nur archäologisch nachweisbaren Kirchen noch Saalbauten ohne Gewölbe waren. Die Spannweite der Joche ist in Meinberg größer als die der etwas älteren Klosterkirche in Marienmünster. Der Bau verfügt zudem über auffallend starke Außenmauern von 1,25 m. Der Corveyer Abt ließ in Meinberg also einen für eine ländliche Pfarrkirche vergleichsweise repräsentativen Bau errichten.

Die ältesten, romanischen Bauteile der Kirche sind das Langhaus (8,25 x 7,50 m), der etwas niedrigere östliche Chor (5,10 x 5,00 m) und der westliche Turm (7,60 x 7,60 m) aus dem 12. Jahrhundert. Alle drei Gebäudeteile verfügen über kuppelige Kreuzgratgewölbe. Das rundbogige Nordfenster des Chors ist ebenfalls noch bauzeitlich, das im Turm nachträglich eingebrochene Portal trägt die Jahreszahl 1736.

Das Kirchenschiff wurde in jüngerer Zeit durch Anbau eines südlichen Querhauses 1882 und eines nördlichen 1928 erweitert. Das südliche Querhaus wurde 1966 noch einmal verlängert. Die Baufuge zwischen Turm und Kirchenschiff sowie die schwache Ostmauer des Turms deuten darauf hin, dass der Turm nachträglich vor das bereits bestehende Gebäude gesetzt wurde. Der im Mauerwerk 14 m hohe Turm weist im Glockengeschoss nach Süden und Osten kleine spitzbogige Fenster (Schallarkaden) auf, die bereits der Frühgotik um 1250 angehören. 1736 wurde das schriftlich datierte Portal auf der Westseite des Turms geschaffen. Der Turm verfügt über eine vierseitige Haube (Pyramidenhaube), die ihrer Form nach noch mittelalterlich sein könnte.

Im Innern der Kirche verweist nur die spätgotische Sakramentsnische im Chor aus der Zeit um 1500 auf die vorreformatorische Zeit. Die Nische wird durch einen Kielbogen und zwei Fialen (Türmchen) bekrönt, auch das Eisengitter ist alt. In einer solchen Nische wurden bis in die Reformationszeit hinein die geweihten Hostien verwahrt. In ihrer Schlichtheit entspricht die Meinberg Kirche der Strenge des reformierten Bekenntnisses, das hier seit dem frühen 17. Jahrhundert gelehrt wird.

Die 1904 von der Fa. Ed. Korfhage & S., Buer gebaute Turmuhr ist ein wertvolles technisches Denkmal. Sie hat ein Gehwerk mit Hilfsaufzug, Viertel- und Stundenschlag im gemeinsamen Gestell. Daneben, auf dem gleichen Uhrenblock stehend, ein Betglockenwerk. Zur Turmuhr gehören zwei gusseiserne Uhrglocken im Turmhelm, die heute auf elektrischen Betrieb umgerüstet sind.

Auf dem Kirchhügel befinden sich noch einige klassizistische Grabdenkmäler, zwei Denkmäler gehören dem Zopfstil (Säulen und Vase) an und entstanden 1786 bzw. 1787.

Auszug aus „Bad Meinberg Kirchdorf und Kurort“ von Roland Linde und Dina van Faassen

Ein Blick in die Geschichte…

Die Stadt Horn entstand aus einer 1093 erstmals urkundlich erwähnten Siedlung an der Kölnischen Landstraße, einem schon im Mittelalter bedeutenden Handelsweg und kann wohl als die erste Stadtgründung unter Bernhard III., geboren um 1200 und Edler Herr zu Lippe von 1230 bis 1265, betrachtet werden.

Das Datum ihrer planmäßigen Anlegung kann daher auf die Zeit ab 1230 datiert werden. Die neue Stadt wurde über ein älteres bestehendes Kirchdorf gelegt. Der urkundliche Beweis für die Existenz der Stadt Horn stammt aus dem Jahre 1248. In dieser Urkunde werden ein eigenes Stadtgericht, Bürgermeister und ein Stadtrat genannt und ein Stadtsiegel Horns an die Urkunde angehängt.

Gleich nach der Gründung wurde die Stadt mit einer starken Mauer und einem vorgelagerten äußeren Wassergraben umgeben, die beiden heute in Teilen noch erhalten sind. Die Stadttore werden 1382 urkundlich erwähnt.

Das 16. Jh. – die Renaissancezeit – brachte die Blüte für die Stadt Horn. Handel und Gewerbe erlebten einen rasanten Aufschwung. Trotz zahlreicher Rückschläge durch kriegerische Auseinandersetzungen, vor allem im Dreißigjährigen Krieg, herrschte in der Stadt immer ein gewisser Wohlstand. Dies bezeugen die schönen Bürgerhäuser mit ihren reich verzierten Fassaden am Marktplatz, an der Mittel- und Nordstraße. Einige sind aus hochwertigem Osning-Sandstein gefertigt, der aus Steinbrüchen in der Nähe stammt.

Nach dem großen Brand von 1864 entstanden neue Wege und Straßen. Der städtische Raum erweiterte sich. Erste zaghafte Versuche wurden sowohl innerhalb der Stadt, als auch über ihre Grenzen hinaus unternommen, das „lüttge“ Horn auf die Anforderungen der sich rasch entwickelnden modernen Zeiten einzustellen oder zumindest vorzubereiten.

Seit 1986 wird der Stadtkern von Horn – seit 1992 als Sanierungsgebiet – grundlegend umgestaltet. Alle öffentlichen Gebäude wurden saniert, die Straßen nach einem an der Historie orientierten Konzept umgestaltet, Verunstaltungen an Fassaden von Privathäusern rückgebaut.

Auszug aus „Stadtgeschichte Horn“ von Jens Buchner